Der Erschließungsstatus gibt an, in welchem Maß ein Grundstück an die notwendige technische und verkehrliche Infrastruktur angeschlossen ist. Grundsätzlich unterscheidet man drei Stufen:
Vollständig erschlossen: Das Grundstück verfügt über alle erforderlichen Anschlüsse – Strom, Wasser, Abwasser sowie eine Anbindung an das öffentliche Straßen- und Wegenetz. Es ist unmittelbar bebaubar, sobald eine Baugenehmigung erteilt wird.
Teilerschlossen: Einige Versorgungsleitungen sind bereits vorhanden, andere hingegen noch nicht. Beispielsweise kann ein Wasseranschluss bestehen, während der Abwasseranschluss noch fehlt. Die verbleibende Erschließung muss der Eigentümer auf eigene Kosten nachrüsten lassen – was je nach Umfang erhebliche Zusatzkosten von 10.000 bis weit über 30.000 Euro verursachen kann.
Nicht erschlossen (Rohbauland): Das Grundstück verfügt über keinerlei Anschlüsse und ist rechtlich nicht bebaubar. Es muss zunächst vollständig erschlossen werden, bevor eine bauliche Nutzung möglich ist.
Neben der technischen Erschließung – also dem Anschluss an Versorgungsnetze wie Strom, Wasser und Abwasser – umfasst die Erschließung auch die verkehrsmäßige Anbindung, d. h. die Zugänglichkeit über öffentliche Straßen und Wege. Erst wenn beide Bereiche gesichert sind, gilt ein Grundstück als vollständig erschlossen.
Der Erschließungsstatus ist nicht nur baurechtlich relevant: Er spiegelt sich unmittelbar im Verkehrswert wider. Ein vollerschlossenes Grundstück erzielt in der Regel deutlich höhere Quadratmeterpreise als ein vergleichbares, nicht oder nur teilweise erschlossenes Grundstück. Gutachter berücksichtigen diesen Faktor daher systematisch bei der Wertermittlung nach der Immobilienwertermittlungsverordnung (ImmoWertV).
Wichtig für Kaufinteressierte: Den genauen Erschließungsstatus sollte man stets vor Vertragsunterzeichnung beim zuständigen Bauamt oder der Gemeinde erfragen. Bereits bezahlte, aber noch nicht fällig gewordene Erschließungsbeiträge können nach einem Eigentümerwechsel auf den neuen Eigentümer übergehen.
Für den Stuttgarter Immobilienmarkt, der durch eine ausgesprochen hohe Nachfrage bei gleichzeitig sehr begrenztem Flächenangebot geprägt ist, kommt dem Erschließungsstatus eine besondere Bedeutung zu. In einer Großstadt mit komplexer topografischer Lage – Stichwort Hanglage und Kessellage – können Erschließungsmaßnahmen technisch aufwendiger und damit kostenintensiver sein als in flachen Regionen. Gleichzeitig ist der Wertunterschied zwischen einem vollerschlossenen und einem nicht erschlossenen Grundstück in Stuttgart aufgrund des hohen Preisniveaus besonders spürbar. Für Eigentümer und Investoren bedeutet dies, dass eine präzise Einschätzung des Erschließungsstatus durch einen erfahrenen Gutachter unerlässlich ist, um den tatsächlichen Marktwert eines Grundstücks realistisch einzuordnen – und um unerwartete Kosten zu vermeiden.
Wenn Sie eine professionelle Immobilienbewertung benötigen oder weitere Fragen haben, wenden Sie sich gerne an uns für eine erste kostenfreie Beratung.
ÜBER DEN AUTOR

Timo Stephan
Timo Stephan gilt als versierter Fachmann für Immobilienbewertungen im Sachverständigenwesen. Mit seinen praxisnahen und zugleich leicht verständlichen Artikeln unterstützt er Immobilienbesitzer dabei, sich fundiert zu informieren und durchdachte Entscheidungen zu treffen. In diesem Blog erfahren Sie mehr über sein Fachwissen und seine Erfahrungen.
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