Die Gebäudeart ist ein zentraler Fachbegriff in der Immobilienbewertung und spielt eine wesentliche Rolle bei der Ermittlung des Verkehrswerts einer Immobilie. Sie beschreibt die Klassifizierung eines Gebäudes nach seinem überwiegenden Nutzungszweck und beeinflusst maßgeblich, welche Bewertungsverfahren und Berechnungsgrundlagen bei der Wertermittlung herangezogen werden. Wer eine Immobilie kaufen, verkaufen oder bewerten lassen möchte, sollte die Bedeutung der Gebäudeart kennen.
Die Gebäudeart ergibt sich aus dem Zweck, für den ein Gebäude überwiegend genutzt wird. Entscheidend für die Einstufung ist dabei das durch die Hauptnutzung entstandene Gesamtgepräge des Gebäudes. Zur Hauptnutzung gehörende übliche Nebenräume – etwa Kellerräume, Treppenhäuser oder Abstellflächen – ändern die Zuordnung nicht.
Im Rahmen der Immobilienbewertung ist die Gebäudeart aus mehreren Gründen von hoher Bedeutung. Erstens bestimmt sie die sogenannten Normalherstellungskosten (NHK), also die typischen Baukosten pro Quadratmeter Bruttogrundfläche, die im Sachwertverfahren als Berechnungsgrundlage dienen. Zweitens ist die Gebäudeart maßgeblich für die wirtschaftliche Gesamtnutzungsdauer, die je nach Typ zwischen 30 und 80 Jahren liegen kann. Ein freistehendes Einfamilienhaus wird beispielsweise anders bewertet als ein Bürogebäude oder eine Lagerhalle. Drittens beeinflusst die Gebäudeart, welches Wertermittlungsverfahren – Vergleichswert-, Ertragswert- oder Sachwertverfahren – bevorzugt angewendet wird.
Für nicht in den amtlichen Tabellen aufgeführte Gebäudearten sieht das Bewertungsrecht eine Auffangklausel vor: Die Normalherstellungskosten und die Gesamtnutzungsdauer werden dann aus vergleichbaren Gebäudearten abgeleitet. Dabei wird auf diejenige Kategorie abgestellt, die mit der Hauptnutzung des Gebäudes die größte Übereinstimmung aufweist.
Für den Immobilienmarkt in Stuttgart, der durch seine besondere Kessellage, knappes Bauland und eine anhaltend hohe Nachfrage geprägt ist, hat die korrekte Bestimmung der Gebäudeart eine besonders große praktische Relevanz. Die Landeshauptstadt Baden-Württembergs zeichnet sich durch eine vielfältige Gebäudestruktur aus: Von gründerzeitlichen Altbauten über Nachkriegsbauten bis hin zu modernen Neubauprojekten finden sich in Stuttgart unterschiedlichste Gebäudearten, die jeweils individuelle Bewertungsansätze erfordern.
Angesichts der hohen Immobilienpreise in Stuttgart – mit Medianpreisen von über 5.000 Euro pro Quadratmeter für Wohnimmobilien – kann eine fehlerhafte Zuordnung der Gebäudeart zu erheblichen Abweichungen im ermittelten Verkehrswert führen. Gerade bei gemischt genutzten Gebäuden, die in Stuttgarter Stadtteilen häufig anzutreffen sind, ist eine sorgfältige Analyse der Hauptnutzung durch einen qualifizierten Sachverständigen unerlässlich.
Wenn Sie eine professionelle Immobilienbewertung benötigen oder weitere Fragen haben, wenden Sie sich gerne an uns für eine erste kostenfreie Beratung.
ÜBER DEN AUTOR

Timo Stephan
Timo Stephan gilt als versierter Fachmann für Immobilienbewertungen im Sachverständigenwesen. Mit seinen praxisnahen und zugleich leicht verständlichen Artikeln unterstützt er Immobilienbesitzer dabei, sich fundiert zu informieren und durchdachte Entscheidungen zu treffen. In diesem Blog erfahren Sie mehr über sein Fachwissen und seine Erfahrungen.
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